MHO

MHO

Martin Oetting  //  Auf ConnectedMarketing schreibe ich über meine Arbeit. Hier gibt's private Gedanken. Bei Twitter läuft alles zusammen.

Apr 27 / 11:52am

Das E-Mobil Renault Twizy in freier Wildbahn (cc @electrivenet).

Hab eben das Renault Twizy auf der Ladefläche eines Lastwagens in der Stadt gesehen. Ich finde das Gefährt schon irgendwie cool und werde auf jeden Fall eine Probefahrt machen:

(download)

Apr 10 / 11:27am

"Hussein" - was von Wulff hoffentlich bleibt.

Imag1375
Auch ich habe mich über Christian Wulff aufgeregt: über seine unwürdigen Spielchen und über sein provinzielles Getue. Über die für einen Politiker seines Amtes wirklich unwürdige Bereitschaft, auf derart sonderbare Zuwendungen einzugehen. Ich fand schließlich auch, dass so ein Mann nicht mehr deutscher Bundespräsident bleiben sollte.

Neulich war ich abends mit dem Auto in Berlin unterwegs. Ich stand an einer Ampel und starrte etwas gedankenverloren auf das Auto, das vor mir wartete. Plötzlich fiel mir der Aufkleber auf der Kofferraumklappe des Volkswagen auf. Ein Aufkleber der Marke Hipp, er teilte mir mit, wie das Kind heißt, das wohl oft auf der Rückbank dieses Autos mitreist: Hussein. Nicht Leo, nicht Marie oder Anne, sondern Hussein.

Ich habe mich sehr über diesen Aufkleber gefreut, schnell mein Handy gezückt und das Foto oben gemacht.

Einen Aufkleber mit dem Namen des eigenen Kindes auf den Kofferraumdeckel zu kleben, ist eine deutsche Marotte, die ich eher albern finde. Ich weiß nicht, ob man von Hipp Aufkleber bekommt, auf denen Hussein schon aufgedruckt ist. Oder ob es sich hier um einen personalisierten Aufkleber handelt, den sich der Fahrer selbst gebastelt hat. Aber das ist nicht so wichtig. Gefreut hat mich, dass Menschen, die ihr Kind Hussein taufen, das hierzulande offenbar auch auf ihrer Kofferraumklappe kund tun. Dass sie diese Marotte natürlich ganz selbstverständlich auch annehmen. Denn es zeigt mit so entwaffnender wie unabstreitbarer Klarheit im ganz, ganz Kleinen: ja, in der Tat, der Islam gehört heute zu Deutschland.

(Natürlich steckt in meiner Schlussfolgerung mindestens ein problematisches Vorurteil -- ein Mensch, der Hussein heißt, kann natürlich ebenso leicht Christ sein. Es gibt ja ein sehr berühmtes Beispiel ... Ich erlaube mir aber einfach mal die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit in Deutschland schon recht hoch ist, dass es sich hierzulande bei Hussein um ein Kind aus einer islamischen Familie handelt.)

Dass als Konservativer so deutlich ausgesprochen zu haben, ist die wichtige große Leistung von Christian Wulff. Er hat das, was dieser kleine Aufkleber ganz leise im Straßenverkehr sagt, mit mutiger Rede insbesondere der konservativen Politikergilde vor den Latz geknallt. Denn es ist eine Wahrheit, die man akzeptieren muss, um heute und hierzulande gute Politik machen zu können.

Meine Hoffnung ist, dass wir irgendwann den ganzen Wulffschen Kleinmist vergessen und dass dafür in der Politik und bei allen, die es noch immer nicht wahrhaben wollen, der eine Gedanke hängen bleibt: Hussein ist heute ein Teil von Deutschland. Und das ist gut so.

Posted from Germany

Apr 4 / 6:25pm

Warum eine Charta? #d64

Ich freue mich sehr, dass der Verein D64, zu dessen Gründungsmitgliedern ich seit der Gründung im vergangenen Jahr gehöre, heute zeitgleich mit dem Launch unserer Diskussionsplattform einen ersten Entwurf einer Charta veröffentlicht hat. Dieser Entwurf ist als Diskussionsgrundlage gedacht, zu der wir nun von allen Mitgliedern Meinungen, Anregungen, Verbesserungsvorschläge und Ideen einsammeln wollen, um dann eine gemeinsame finale Fassung vorzulegen.

Aber selbst dieser erste Entwurf ist schon ein wichtiger Meilenstein. Denn es ist eine Art Dokument, die bislang leider noch viel zu rar ist: eine positive Positionsbestimmung zur Netzpolitik, die nicht darüber spricht, wogegen wir sind, sondern die vor allem aufzeigen will, in welche Richtung wir uns bewegen wollen. Wir beschreiben, wofür wir sind.

Zweitens wird daran klar, dass aus unserer Sicht Netzpolitik nicht allein das Netz betrifft. Sondern dass vielmehr die Politik insgesamt, wie kürzlich erst von Sebastian Matthes gefordert, das Netz als entscheidende Größe in der Gesellschaft anerkennen und in alle ihre Bereiche mit aufnehmen muss.

Ich bin gespannt, was sich aus diesem Kick-Off weiter entwickeln wird. Und natürlich lade ich alle ein, Mitglied zu werden und mitzudiskutieren.

Mar 10 / 7:31pm

Wenn Musik illegal ist, braucht man den Helikopter-DJ!

"In a nation where music has been outlawed by an oppressive dictatorship, a DJ rises up to stir the people into rebellion and regain their freedom."

Mar 6 / 10:16pm

Selbstversuch mit echter Elektromobilität: Flinkster.

(download)

Mich interessiert das Thema Elektromobilität sehr. Ich halte es für einen wichtigen Ansatz, um uns von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wegzubewegen. Natürlich hat es nur Sinn, wenn man Elektromobilität zusammen mit regenerativen Energien denkt. Es ist demgegenüber völlig blödsinnig, heutzutage Elektromobile danach zu beurteilen, wieviel CO2 bei ihrer Verwendung jetzt entsteht, weil man womöglich noch Kohlekraft für's "Tanken" verwendet. Bei Spiegel Online gibt es derzeit eine Artikelreihe, in der bei den Autos teilweise kritisiert wird, dass sie ja gar nicht viel umweltfreundlicher seien als handelsübliche Diesel. Das ist viel zu kurz gedacht -- je weiter wir in Deutschland die Energieversorgung umstellen, desto umweltfreundlicher werden die Elektroautos. Die Benzin oder Diesel verbrennenden Fahrzeuge nicht, sie machen alles immer weiter immer schlimmer. Deswegen setze ich ja jetzt auch schon bei Fernreisen fast ausschließlich auf die Bahn, selbst wenn die noch keinen "CO2-freien" Strom bezieht. Wir müssen Infrastrukturen unterstützen, die perspektivisch CO2-arm oder CO2-frei benutzt werden können. Selbst wenn es heute noch nicht ganz so weit ist, wird das mit elektrisch betriebenen Autos und Fahrzeugen mittelfristig möglich sein. Mit Benzinern oder Dieselfahrzeugen nie.

Nachdem ich im letzten Jahr ein Weile davon geträumt habe, mir irgendwie einen Tesla Roadster zu leisten, ist die Sache schließlich an zwei Dingen gescheitert: meinem dann doch wiederkehrenden Realitätssinn (ein 100.000 EUR-Auto ist einfach komplett jenseits aller meiner Möglichkeiten ... Traum hin oder her ...), und an der fehlenden Garage. Davon redet kaum jemand im Zusammenhang mit Elektroautos -- aber für die meisten Städter ist der Besitz von Elektroautos einfach deswegen komplett unrealistisch, weil man eine Garage haben muss, in der das Ding permanent an der Steckdose hängt. Man kann's nicht einfach unter'm Baum parken, sondern es muss angeschlossen werden. Aber wieviele Leute in dicht bebauten Wohngegenden haben Garagen? Ich habe mich ein halbes Jahr lang darum bemüht, eine zu bekommen -- es war mitten in Kreuzberg nicht zu machen. Die geringe Reichweite ist nicht das Problem -- für 100% aller Stadtfahrten reichen so gut wie alle Elektroautos komplett aus und sind damit als Stadtfahrzeuge perfekt geeignet. Das eigentliche Problem der Elektromobilität ist, dass wir die Dinger zuhause in den Städten einfach nicht getankt bekommen!

Deswegen wurde ich neugierig, als ich sah, dass ich beim Car-Sharing-Dienst Flinkster von der Bahn auch Elektroautos bekommen kann. Car-Sharing erscheint mir für Stadtbewohner aus den oben genannten Gründen derzeit als einzige Möglichkeit, überhaupt Elektroautos live und alltäglich zu nutzen. Sie stehen an zentralen Ladestationen und man nimmt sie sich nur dann, wenn man sie braucht. Und ich brauche mein Auto nur alle zwei-drei Wochen. Ich war kein Mitglied bei Flinkster, habe mich also angemeldet. Und am vergangenen Sonntag habe ich dann meine erste eFlinkster-Elektrofahrt unternommen.

Um 16:00 Uhr wollte ich jemanden in Tegel am Flughafen abholen. Ich hatte dafür einen Citroen C-ZERO von 15:00 Uhr bis 17:00 reserviert, der am Hauptbahnhof für mich bereit stand. Dort bin ich, selbstverständlich, elektrisch mit der S-Bahn hingefahren. Die Parkgarage, in der der Wagen stand, habe ich schnell gefunden -- ich hatte dort früher schon mal einen Mietwagen abgeholt. Den C-ZERO fand ich ebenfalls schnell, er versteckte sich ein wenig hinter einem Prius Plug-In, der auch an der Steckdose hing, daneben stand noch ein Elektro-Smart (alle drei ausleihbar über Flinkster). Das Öffnen des Autos ging leicht, ich musste meine Flinkster-Karte, die ich im Portemonnaie trug, nur vor ein Feld an der Frontscheibe halten (drittes Bild oben in der Bildergallerie), schon öffnete sich die Zentralverriegelung.

Zunächst habe ich dann das Stromkabel abgezogen und im Kofferraum verstaut. Danach hinter's Steuer. Drinnen war es etwas dunkel, das hat Auto keine automatische Innenraumbeleuchtung. (Etwas später habe ich dann eine Lampe mitten unter dem Dachhimmel zwischen den Vordersitzen entdeckt.) Schlüssel rein, drehen, die "Zündung" ging an, der Tacho und die anderen Anzeigen leuchteten auf. Mit einem "Ping!" teilte mir das Auto mit, dass der Motor nun auch an ist. (Anders kann man's ja nicht wissen -- im Stillstand steht auch der Motor, er dreht sich nur, wenn auch gefahren werden soll.)

Allerdings war es zunächst so dunkel im Auto, dass ich nicht richtig erkennen konnte, in welche Position ich den Ganghebel schieben musste, um auch wirklich loszufahren. Mit ein wenig Mühe habe ich dann die Stufe "D" gefunden -- los ging's. Das Erlebnis, dass sich das Gefährt völlig lautlos und ohne gewohntes Motorengeräusch in Bewegung setzt, ist immer wieder überraschend spaßig. Man hat das Gefühl, dem Rest der Welt eine Art Streich zu spielen, wenn man ganz ohne Getöse losfahren kann. Bei mir zieht sich dabei ganz spontan ein Grinsen über's Gesicht, es macht mir einfach Spaß. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass ich das erlebt habe.

An der Ausfahrt des Parkhauses gab es kurz Verwirrung, ich hatte die "Stromtank- und Ausfahrkarte" noch nicht entdeckt, die mir hier gefehlt hat, um die Schranke zu öffnen. Sie steckte in einer Halterung tief unten in der Mittelkonsole. Als ich es schließlich aus dem Parkhaus heraus geschafft hatte, ging es direkt in den Verkehr. Das Fahrgefühl ist völlig normal - man fährt mit einem ziemlich spritzigen Wägelchen durch die Gegend, das nicht nur problemlos im Verkehr mitschwimmt, sondern eher zu den schnelleren Gefährten gehört. Man ist sehr schnell mit 65-70 km/h in der Stadt unterwegs. Nicht, weil das Auto so enorme Leistung und eine hohe Spitzengeschwindigkeit hat -- sondern weil die Leistungscharakteristik des Elektromotors einfach völlig anders ist als die eines Verbrennungsmotors. Letzterer braucht eine Weile, bis er sein Drehmoment (also seine "Schwungkraft") aufgebaut hat und richtig loszieht. Ein Elektroauto nicht -- der Motor ist sofort voll da, es geht von der ersten Sekunde an richtig gut los. Da ist man an der Ampel schnell als erster weg.

Man fährt zum Teil sogar richtig sportlich. Teilweise ist das Drehmoment so stark, dass die etwas kleinen Rädchen (wenn auch auf Alufelgen!) fast ein bißchen zu kämpfen haben und durchzudrehen scheinen. An so einer Fahrt ist also absolut nichts phlegmatisch oder träge!

Weitere Details: ein automatischer Sensor schaltet das Fahrtlicht an (wenn der Lichtschalter auf der entsprechenden Stellung steht), und im Auto gibt es keine Uhr! Eigentlich kein Beinbruch, aber wenn man gewohnt ist, im Armaturenbrett eine zu haben, ist das für den ersten Moment ungewohnt. Außerdem habe ich noch in der Garage gemerkt, dass das Auto sehr wendig ist, bzw. dass es einen sehr kleinen Wendekreis hat.

Das Erlebnis Elektromobil war also eigentlich komplett problemlos und hat echt Spaß gemacht. Nicht ganz so unproblematisch war das Erlebnis Car-Sharing: ich hatte das Auto von 15-17 Uhr reserviert. Als ich in Tegel ankam, erfuhr ich, dass der Flug, auf den ich wartete, und der für 16:10 erwartet wurde, erst mit einer guten halben Stunde Verspätung ankommen sollte! Plötzlich wurde der Zeitplan knapp: wenn der Flieger erst um 16:45 Uhr ankommt, ist es völlig unmöglich, das Auto um 17 Uhr wieder am Bahnhof abzuliefern. Also habe ich über die 0800er Nummer, die mir in der Reservierungsbestätigung mitgeteilt wurde, die Rückgabe zu verlängern versucht. Eine halbe Stunde war drin. Die hat zwar ausgereicht, meinen Fahrtgast am Flughafen abzuholen. Aber danach wurde es so knapp, dass wir dann doch nur bis zum Hauptbahnhof zurückfahren konnten und das Gefährt direkt dem nächsten Fahrer übergeben mussten. Ein Glück, dass ich dei Batterie nicht leergefahren hatte. Die ca. 30 km, die ich gefahren war, hatten etwa ein gutes Drittel aus der Batterie geholt. Gekostet hat mich der Zweieinhalbstundenspaß rund 15 EUR.

Einen Teil der Fahrt mussten wir dann doch mit direktem CO2-Ausstoß zurücklegen -- die Taxifahrt vom Bahnhof zu unserem Ziel. Dafür konnte allerdings das Elektromobil nichts -- ich muss nur beim nächsten Mal zur Sicherheit länger reservieren, wenn ich jemanden vom Flughafen abhole.

Mein Fazit: innerstädtisches Elektromobilfahren mit Flinkster ist eine feine Sache. Ich werde das wieder machen.

 

Feb 16 / 8:57am

Ein alternder Shitstorm erinnert sich.

2012_02_16_shitstorm_1

Neulich bin ich zufällig, eher aus Versehen, in weit entfernte und sehr dünn besiedelte Gebiete des Internets geraten - Gegenden, wo sich sonst vielleicht nur Kosmar rumzureisen traut. Dort hatte ich das einmalige Glück einer wirklich einzigartigen seltenen Begegnung: ein alternder Shitstorm, längst nicht mehr so furchteinflößend wie zu seiner aktiven großen Zeit, schon etwas müde in den trolligen Gliedern, fing zu erzählen an. Mir wäre er zuerst fast nicht aufgefallen, wenn er nicht so lautstark vor sich hingeflucht hätte. Er sah ein wenig abgerissen aus: die Captchas baumelten ihm wie Fetzen am Leib, er hatte einige Facebook Connect-Narben, und offenbar leidete er auch an ziemlich akuter Disqus-Allergie.

Ich war neugierig und fragte nach, was denn los sei. Ein Kommentar gab den nächsten, er war noch gut auf Zack, und am Ende rantete mir der arme Kerl seinen ganzen Frust von der Seele. Ich muss sagen, dass mich das schon beeindruckt hat. Selbst wenn ein Shitstorm alt und klapprig ist, kann er noch ziemlich Wirkung entfalten. Das ist eine Naturgewalt, das muss man sagen. Folgend kurz das, was er mir erzählt hat:

"ej alter. weisste noch damals, jamba und spreeblick? mann ej, da kannte hier in d noch niemand auch nur das wort shitstorm. aber der war schon echt ein ausgewachsener vertreter unserer feinen gattung. der großteil unserer familie ist ja mehr in englischsprachigen ländern zuhause, aber mit jamba sind wir dann wirklich zum ersten mal so richtig sauber hier an den start gegangen. harte fakten, gegner klar im blick, gutes thema, kinder ziehen immer, und mit dem johnny hatte der einfach auch einen top geburtshelfer. sowas startet dann halt amtlich durch. gutes lol. ich sag's ehrlich: der war ein idol, ein held - für uns kleine shitstörmchen, die wir ja noch kein klares ziel im leben hatten.

oder nehmen wir vodafone, das ist mein neffe. der junge ging halt mal richtig gut nach vorne los, der hat - was die reichweite in der blogosphäre betrifft - einfach auch massstäbe gesetzt, das ist mal klar. bin schon mächtig stolz auf den kerl.

(Anmerkung: da hat er ein wenig feuchte Augen bekommen beim Erzählen.)

oder euroweb. grade wenn sich die harten freaks aus den foren verbeißen, dann wird da doch eine richtig große derbe gute sache draus. noch besser: wolfskin, mein schwager!  wenn so ein echt hartes gutes glaubwürdiges david-gegen-goliath-drama draus wird, dann ist schon das der ritterschlag für einen von uns. da hast du auch die presse an bord, da gehen alle gehörig ab, das ist doch wirklich die große party. feinste lulz. wenn einer von uns so abrockt, dann wird das popcorn ausgepackt und die stimmung ist top.

als sascha lobo dann auf der republica erzählt hat, wie man mit mir und den jungs umgehen muss, war das ein krasser tag. gut, der lobo übertreibt ja immer etwas, und manches, was der weinerlich als shitstorm bezeichnet, würd ich ja eher bei der pussymäßigen familie fartbreeze einsortieren. aber das war sichtbarkeit für uns. das war toll. dachten wir zumindest.

nur, was ist draus geworden? frage ich dich mal ganz ehrlich!

seitdem wir derart auf die agenda gesetzt wurden, ist doch alles, was an uns respektabel und furchteinflößend ist - was uns groß, stark und gut macht - komplett weichgespült worden! Die gentrifizierung der shitosphäre, sage ich dir!! was ist nur aus unserer gattung geworden, mann!! ich bin ja fast abgebrochen als ich gehört habe, dass wir der anglizismus des jahres sein sollen!!! von welchem jahr denn? 2011?! scheiß die wand an, da war doch kaum was?! heute wird doch bei jedem furz, der einem gehirnamputierten pr-berater so ganz sachte quersitzt, von einem shitstorm gefaselt! wenn ein feld-wald-und-wiesen-blog oder die nichtbeachtete facebook-seite einer völlig irrelevanten marke verkackte dreieinhalb negative kommentare von gelangweilten hausmännern bekommt, dann quasseln sich die einschlägigen beraterdeppen schon dusselig darum, dass das der nächste shitstorm ist! und sogar die medien tippern das pflichtschuldig ab, als wenn sie dafür bezahlt werden.

wie kann es sein, dass die ehre meiner familie so in den dreck gezogen, unser name so missbraucht wird?! was können wir denn dafür, dass wir in diesen zeiten kaum noch vernünftigen nachwuchs haben? ja was soll denn aus unserm guten nachwuchs werden, wenn eh keiner mehr bloggt, sondern stattdessen alberne bilder bei pinterest reinstellt und don alphonso weichgespült auf faz.net parliert?! es kotzt mich echt amtlich an, dass es mittlerweile zum guten ton gehört, in marketingkreisen von mir und meiner familie zu reden, als wenn wir ein freundliches dinner-konversationsthema wären!! es gab zeiten, da wurde nur heimlich, hinter vorgehaltener hand und vor angst von uns geredet!! was ist daraus geworden!!? was haben wir getan, um zum spielzeug von grenzdebilen marketingfuzzis zu werden?!"

Ich muss zugeben, dass ich die letzten Worte nur noch aus sicherer Entfernung hören konnte. Ich sag's Euch: wenn man einem ausgewachsenen Shitstorm gegenüber steht, der anfängt, sich in Rage zu reden, dann nötigt das Respekt ab. Egal, wie klapprig er mittlerweile ist ... Mit dem möchte man nicht wirklich aneinander geraten. Als er also anfing, so richtig in Fahrt zu geraten, habe ich es schon ein wenig mit der Angst bekommen und mich ganz vorsichtig davongeschlichen. Ohne ihm zu sagen, was ich so beruflich mache.

Aber eines weiß ich: seinen Namen, und den seiner Familie, sollte man wirklich nicht für jeden Quatsch missbrauchen. Das hat er echt nicht verdient.

Feb 11 / 12:44pm

Drei gute Anti-ACTA-Sachen: Protestmailer, Cory Doctorow und Prof. Dr. Dirk Heckmann.

Bei BoingBoing schreibt Cory Doctorow nochmal ein flammendes Playdoyer gegen ACTA, gegen Hinterzimmerabkommen, gegen Mauscheln und undemokratische unsichtbare Lobbyeinflüsse von wenigen Kulturkonzernen, die ihre Pfründe sichern wollen, zum Schaden der Mehrheit.

Einen etwas weniger lauten aber nicht weniger kritischen Text gegen ACTA gibt's bei Legal Tribune Online, von Prof. Dr. Dirk Heckmann, Mitglied des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht sowie Leiter der Forschungsstelle für IT-Recht und Netzpolitik an der Universität Passau.

Dazu habe ich über BoingBoing das untenstehende Protestmailer-Formular gefunden, bei killacta.org: "For European users, this form will email every MEP with a known email address." Das vielleicht stärkste Argument für jeden Politiker: Ihr dürfte nicht für eine Sache stimmen, die Euch anschließend die Möglichkeit zur Einflussnahme aus der Hand nimmt. Hier der Text, der im Formular voreingetragen ist:

"I urge you to vote no on ACTA and to communicate its severe problems to your colleagues. ACTA's vague language locks us into obsolete copyright and patent laws, preventing democracies from updating their laws to unlock new economic and social opportunities. It criminalizes harmless remixes by ordinary users if they achieve 'a commercial scale' (art 2.14.1) which many amateur videos do on sites like Youtube. And it criminalizes legitimate websites by making them responsible for user behavior ('aiding and abetting' art 2.14.4). Worse, it permanently bypasses the democratic process by empowering the 'ACTA Committee' to 'propose amendments to [ACTA]' without your approval. (art 6.4) In other words, it's impossible to know what you're voting for. The global movement against the US law SOPA showed that internet freedom is a crucial issue which belongs in the legislative process of each country. You should view ACTA as an attempt by a handful of companies to circumvent the democratic process, and you should vote against it.Thank you. Please reply if you have any questions."

Stop ACTA & TPP: Sagt Euren Politikern: NIEMALS dürfte Ihr geheime Handelsabkommen dafür verwenden, mit dem Internet rumzuspielen. Unser aller Freiheut hängt davon ab!

[Update: habe den Mailercode hier wieder rausgenommen, weil's bei mir auf Anhieb nicht funktioniert hat und ich jetzt keine Zeit habe, den Fehler zu suchen. Bitte bei BoingBoing ausfüllen, oder selbst einbauen.]